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Die Wallfahrt im Spiegel der Presse

Westfälische Nachrichten (12.7.1993):

An jeder Kreuzung stoßen Pilger dazu.

Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte: Gebete und ein anstrengender langer Fußweg

-agh- Telgte/Osnabrück (Eig. Ber.). Freitag nacht beginnt der lange und beschwerliche Fußweg am Wochenende: Während sich die letzten Nachtschwärmer auf den Heimweg machen, sammeln sich an einer Bushaltestelle in Telgte über 120 Pilger. Ihr Zielort heißt Osnabrück. Von dort aus wollen sie sich zusammen mit 7000 weiteren Wallfahrern zum 141. Mal auf die 45 Kilometer lange Strecke von Osnabrück zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter in Telgte machen.

Während der Busfahrt nach Osnabrück findet ein erster, intensiver Erfahrungsaustausch statt. Viele Wallfahrer sind "alte Hasen", die seit Jahren an der Prozession teilnehmen und den Anfängern noch schnell ein paar wertvolle Tiips mit auf den Weg geben, um ihnen etwas von der allgemein spürbaren Nervösität zu nehmen. Und dann beginnt das Programm.

Auftakt der Wallfahrt ist ein gemeinsamer Gottesdienst in der Osnabrücker St.-Josephs-Kirche. Eine Tasse mit pechschwarzem Kaffee darin vertreibt anschließend den letzten Schlaf aus den Gesichtern, bevor es auf die "Marathonstrecke" geht. Lediglich ein kleines Häufchen von etwa 500 Pilgern trifft sich um drei Uhr morgens an einer Kreuzung am Josephs-Friedhof mitten in Osnabrück. Nach einer kurzen meditativen Einführung in die Wallfahrt machen sich die erwartungsvollen Pilger auf den Weg durch die Nacht. An fast allen Kreuzungen zwischen Osnabrück und Glandorf stoßen neue Pilger zur Prozession, die von Stunde zu Stunde an Länge gewinnt.

Während in der Dunkelheit lediglich Gesätze aus dem Rosenkranz gebetet werden und auf ein Repertoire von allgemein bekannten Liedern zurückgegriffen wird, gehen die Pilger beim ersten Tageslicht des Samstages zur offiziellen und bewährten Gebetsordnung über. Einen ersten Rückschlag bereitet das Wetter beim anstrengenden Anstieg zum Harderberg zwischen Osnabrück und Bad Iburg. Ein heftiger Regenguß geht – wenn auch nur eine kurze Zeit – auf die Teilnehmer nieder. In Minutenschnelle sind alle klatschnaß; Regenschirme und Schutzanoraks sind heißbegehrt.

Doch die kurz darauf folgende Pause an der Iburger Klause stimmt die Pilger wieder optimistisch. Der Regen läßt nach, der trockenen Fortsetzung der Wallfahrt steht nichts im Wege. Auch Begleitfahrzeuge stehen an der Klause bereit, um fußkranke Wallfahrer und verschiedene Gepäckstücke ein Stück zu transportieren.

Pünktlich zur Frühstückszeit wird für den mittlerweile schon stark angewachsenen Wallfahrtszug der Glandorfer Kirchturm sichtbar. Hier haben die Pilger Zeit für eine kräftige Stärkung, um die weiteren Strapazen zu überstehen. Helfer des Malteser-Hilfsdienstes und des Deutschen-Roten-Kreuzes bieten zudem einen besonderen Service an: Sie haben ein "Hospital für Fußkranke" eingerichtet, in dem die Füße massiert und Blasen aufgestochen werden. Denn jetzt gilt es, das zweite große Teilstück nach Ostbevern zurückzulegen.

Aber diese Etappe soll es in sich haben: Genau zur Mittagszeit quält sich der Pilgerzug über die lange fast schnurgerade Bundesstraße in Richtung Ostbevern. Fast unendlich erscheint manchem Wallfahrer angesichts der immer stärker schmerzenden Füße der Weg bis zur nächsten Kurve. Während auf dem scheinbar endlosen Weg die Sonne sticht und nur wenige Bäume Schatten spenden, frischt wenigstens der Wind kräftig auf. Doch die Pilger zeigen sich in guter Verfassung und beten den Kreuzweg.

Die mittägliche Erholungspause in Ostbevern bietet anschließend genügend Zeit zur Erholung, bevor die letzten Kilometer nach Telgte zurückgelegt werden. Noch einmal formiert sich der über einen Kilometer lange Wallfahrtszug. Zu hunderten flattern Banner, Wimpel und Fahnen im Wind. Freudig nehmen die Pilger die Mühen der restlichen Wegstrecke auf sich. Denn das Ziel, die Wallfahrtskirche in Telgte, ist nun zum Greifen nahe. Und dann ist es soweit: Der Zug marschiert in Telgte ein – spätestens jetzt sind die Anstrengungen und Wehwehchen der zurückliegenden Etappen vergessen. Aus den Kehlen der Wallfahrer dringt das "ave, ave, ave Maria". Hunderte am Straßenrand stehende Besucher begrüßen die Pilger. Während die kleine Gruppe Telgter zu Hause ist, heißt es für die meisten anderen Wallfahrer am nächsten Morgen (Sonntag) wieder aus den Quartieren in Telgte aufbrechen und sich ein weiteres Mal aufmachen – zurück nach Osnabrück.

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