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Die Wallfahrt im Spiegel der Presse

Münstersche Zeitung (14.7.1997):

Sonne wurde zur Strapaze.

Rund 6500 Teilnehmer bei der Osnabrücker Wallfahrt / Diözesanbischof dabei.

-gn- Telgte. Propst Heinrich Tietmeyer hatte seine helle Freude daran: "Telgte ist heute wieder einmal fest in Osnabrücker Hand", ließ er seine Blicke über die unzähligen Köpfe vor der St.-Clemens-kirche schweifen: Immer mehr Wallfahrer strömten auf den Kirchplatz, der Pilgerstrom will scheinbar kein Ende nehmen. Jung und alt, groß und klein – alle waren sie zu Fuß hierher gepilgert. Rund 6500 Wallfahrer waren es, die mit ihren Herzen auf der 145. Osnabrücker Wallfahrt am Samstag ein sichtbares Zeugnis ihres Glaubens abgaben.

Tietmeyer machte in Optimismus: "Unsere Jugend hat den Glauben noch nicht verloren". Die große Zahl junger Pilger sei ein Beweis dafür, daß die Kirche auch von jungen Leuten heute noch mitgetragen werde. So könne die Kirche als große Gemeinschaft auch in Zukunft bestehen, freute sich der Geistliche beim Anblick der Pilgerscharen auf dem Kirchplatz.

Bereits nachts um ein Uhr hatten sich die Wallfahrer in der Osnabrücker St. Johann- sowie in der St.-Josefs-Gemeinde zum Gottesdienst versammelt. Um drei Uhr fiel schließlich der Startschuß, und mit ihm setzten sich bereits 800 Pilger in Bewegung Richtung Telgte. Und "in Bewegung" heißt dabei: Mit strammen Pilgerschritt, schließlich wollten die Wallfahrer pünktlich bei der Schmerzhaften Mutter ankommen.

Ging es während der dunklen Nacht- und Morgenstunden noch recht problemlos voran, "haben wir spätestens ab Glandorf gelitten", berichtete Karlheinz Schomaker, seit elf Jahren Hauptorganisator der Osnabrücker Wallfahrt. Nachdem im vergangenen Jahr starker Regen den Weg zusätzlich erschwert hatte, war es diesmal die Sonne: Mit aller Macht strahlte sie auf den stets anwachsenden Pilgertroß und heizte ihn bei sommerlichen Temperaturen über der 30-Grad-Marke ordentlich auf. "Eine echte Strapaze", blickte Schomaker in Telgte angekommen zurück, "aber es hat sich wieder gelohnt."

Von einer "Droge Wallfahrtserlebnis" predigte Dechant Hermann Rickers aus Melle, als er in Oedingberg zu den stets wiederkehrenden Pilgern sprach. Denn viele, so der Geistliche, die einmal mitgelaufen sind, nehmen meist auch ein weiteres Mal mit Begeisterung wieder teil.

Ab Glandorf hatte der Troß zudem Bischöflichen Geleitschutz: Diözesanbischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück, zugleich jüngster Bischof Deutschlands, schloß sich der Pilgerschar an und hielt bis zum Gnadenbild mit den Wallfahrern Schritt.

Als zweitgrößte Fußwallfahrts Deutschlands – die Wallfahrt von Regensburg nach Altötting übertrifft die Osnabrücker um knapp 1000 Teilnehmer – hat sich die Pilgertradition über 145 Jahre einen festen Platz verschafft. Seit 1852 marschieren die Osnabrücker Jahr für Jahr in Richtung Emsstadt – und das bei Wind und Wetter. Ganze 65mal davon ist Aloys Börger aus Hagen am Teuto die 45 km lange Strecke nun schon mitgepilgert, und auch Josef Langmeyer gehört seit 50 Jahren zu den eingefleischten Wallfahrern aus Osnabrück.

"Daß Sie gestärkt im Glauben zurückkehren", mit diesem Wunsch entließ Tietmeyer die Wallfahrer aus Osnabrück. Und mit der Hoffnung, daß jeder erkenne: "Ich gehe nicht allein. Gott ist stets mit mir unterwegs."

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