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Die Wallfahrt im Spiegel der Presse

Kirchenbote (14.7.2002):

"Telgte fest in Osnabrücker Hand".

Fußwallfahrt zum 150. Mal / Medaillon für das Gnadenbild

Osnabrück/Telgte – Propst Heinrich Tietmeyer aus Telgte sparte nicht mit Lob: „Heute ist Telgte fest in Osnabrücker Hand“, sagte er zur Begrüßung von 11 500 Pilgern, die zu Fuß zum Gnadenbild ins Münsterland gekommen waren. Dazu gesellten sich weitere 1500 Menschen aus Osnabrück und Umgebung, die sich motorisiert auf den Weg gemacht hatten. „Schade, dass Telgte nicht zum Bistum Osnabrück gehört“, bedauerte Bischof Franz-Josef Bode mit einem verschmitzten Lächeln. Und Nuntius Giovanni Lajolo, als Botschafter des Papstes von Berlin zum Jubiläum der Fußwallfahrt angereist, zeigte sich „beeindruckt von dem Glauben, mit dem die Menschen unterwegs sind“.

Im Trubel der Ankunft kam das Protokoll durcheinander. Wallfahrtsleiter Karl-Heinz Schomaker zog den falschen Zettel und kündigte ein Lied an, das an dieser Stelle gar nicht gesungen werden sollte. Propst Tietmeyer quittierte es mit einem Kopfschütteln. Zu spät, die Masse hatte bereits eingesetzt. Auch an anderer Stelle machten die Pilger deutlich, dass die Laien bei dieser Wallfahrt das Sagen haben: Schomaker forderte zum Gesang auf, Propst Tietmeyer schoss ans Mikrofon, weil zunächst der Nuntius sprechen sollte. Das Volk sang, und Lajolo zog sich gerne wieder zurück. Um nach dem Lied daran zu erinnern, dass Papst Johannes Paul II. bereits sowohl in Münster als auch in Osnabrück gewesen ist. „Wenn er gewusst hätte, wie hier das Gnadenbild verehrt wird, hätte er sich einen Besuch in Telgte nicht nehmen lassen.“

Bischof Bode mit Rucksack und Windjacke

Zu diesem Zeitpunkt lag hinter den Pilgern bereits ein stundenlanger Marsch, der mitten in der Nacht in Osnabrück begonnen hatte. Erster Höhepunkt war die Rast in Glandorf. Vor dem Pfarrhaus warten Dechant Hermann Wieh und Domkapitular Heinrich Plock, drinnen herrscht ein Kommen und Gehen. Kurz vor Ende der Frühstücksrast bereiten sich die Pilger auf den Weitermarsch vor. Eine Frau sucht Karl-Heinz Schomaker. „Wo ist die Wallfahrtsleitung?“ ruft sie, deren Bus habe ihr Auto zugeparkt, und sie müsse doch dringend den Organisten nach Oesede bringen. Schomaker hat gar keine Zeit, sich jetzt zu kümmern, denn soeben ist der Nuntius eingetroffen, der als Gast die Strecke bis Oedingberge mitgeht.

Einer hat den ganzen Aufbruchstrubel bereits hinter sich gelassen. Franz-Josef Bode steht draußen, marschbereit in Windjacke und mit rotem Rucksack. Eine ältere Dame kommt vorbei, schaut ihn zweifelnd an und fragt: Ist das der Bischof? Ja, das ist er. Der Bischof, der heute wie ein Wandersbursche wirkt, der mit Begeisterung diese 150. Wallfahrt nach Telgte mitmacht, der flotten Schritts dabei ist. Als die Glocken anfangen zu läuten, setzt er sich an die Spitze des Zuges.
Jetzt marschieren sie weiter, mit zügigem Tempo, gutes Schuhwerk an den Füßen und zünftig gekleidet: Viele tragen Kniebundhosen, manche knallenge Radlershorts, und immer ist die Regenjacke oder der Schirm dabei. Josef Knapp ist mit 25 Gläubigen aus Alfhausen gekommen und nimmt schon seit Jahren an der Wallfahrt nach Telgte teil. Die Alfhausener haben sich in Iburg eingegliedert und schnell „das stramme Tempo wie bei der Bundeswehr“ (Knapp) angenommen. Monika Schlinge aus Hagen ist seit 4 Uhr unterwegs, zuvor hat sie schon die Pilgermesse besucht. Die 41-Jährige geht seit 20 Jahren mit, war sogar als Schwangere dabei. Allerdings hat das auf ihre Kinder keinen nachhaltigen Einfluss gehabt: Die Töchter im Teenageralter blieben lieber zu Hause. Anders als Lukas aus Hagen – der Neunjährige ist zum dritten Mal dabei.

Die Begeisterung für die Wallfahrt – Bischof Bode weiß sie in seiner Predigt in Oedingberge zu erklären. Der Bischof, inzwischen im Chorgewand, das sein Fahrer ihm im Köfferchen gebracht hat, sagt, gemeinsam unterwegs zu sein, sei eine Urbewegung der Kirche. Sie sei ein Symbol dafür, dass Christen immer bereit seien, auch neue Schritte zu gehen. „Wer unterwegs ist, kreist nicht nur um sich selbst, nimmt Umwege in Kauf, schaut aus nach einem Ziel“, sagt Bode. Das Ziel in diesem Fall: die Pietà in Telgte. Kurz zuvor erhält die neue Wallfahrtsfahne, erst in Oe-dingberge gesegnet, ihre „Taufe“: Es schüttet heftig. Beim Einzug singen die Pilger „Großer Gott wir loben dich…“.

Neue Klause gesegnet

Ein besonderer Moment: Das Gnadenbild empfängt die Pilger am Straßenrand. „Wir kommen mit unseren Sorgen, aber Maria kommt uns schon entgegen“, beschreibt der Bischof.

Am Sonntag geht es wieder zurück. Bischof Bode zeichnet Wallfahrtsleiter Schomaker aus. Letzter Höhepunkt: Dechant Wieh segnet in Scheventorf eine neue Klause.

Matthias Petersen/Andrea Kolhoff

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