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Die Wallfahrt im Spiegel der PresseKirchenbote (20.7.2003) Getragen von der GemeinschaftEindrücke von der Fußwallfahrt nach Telgte Osnabrück/Telgte (tre) 100 Meter in 70 Sekunden. Für einen Hundertmeterläufer wäre das kein gutes Ergebnis. Für Klaus Meinert, den Schrittmacher der Telgter Wallfahrt aus St. Johann, ist das seit 30 Jahren die Geschwindigkeit, mit der er die Pilger anführt. Die Wallfahrer haben einen festen Zeitplan und müssen deshalb ein gleichmäßiges Tempo einhalten. Unser Schrittmacher Klaus Meinert passt auf, dass die Wallfahrer nicht schneller werden. Er treibt Zurückfallende an und fängt Ausreißer wieder ein auch wenn die hohe Geistlichkeit mal versuchen sollte, davonzurennen, sagt Karl-Heinz Schomaker, der technische Leiter der Wallfahrt, und grinst. In diesem Jahr wurde er von Richard Vonstein unterstützt, der ihm einige Wegstrecken abnahm. Auch die Pilger der Bohmter Kirchengemeinde St. Johann haben jetzt eine eigene Fahne für die Telgter Wallfahrt. Sie haben sie im Kloster der Benediktinerinnen in Kempten anfertigen lassen, eine Woche vor der Wallfahrt war sie im Gottesdienst geweiht worden. Auf der Lichtung im Wald bei Gut Oedingberge ist es eng. Dicht an dicht sitzen die Pilger unter hohen Kronen der Buchen und hören eine Predigt von Diakon Harald Niermann. Ich habe eine Regieanweisung erhalten: Nicht zu lang! Also halte ich nur eine kurze Predigt, sagt Nierman. Diese Botschaft wird mit erleichtertem Seufzen aufgenommen, nach sieben Stunden Fußmarsch ist die Konzentrationsfähigkeit nicht mehr besonders hoch. Pilgern und Wallfahren ist ganz einfach, vor uns sind das Kreuz und Jesus und wir hinterher aber sind wir wirklich hinter Jesus her?, fragt Diakon Niermann in seiner Predigt. Der Anblick der vielen Pilger, die in Oedingberge versammelt sind, zeigt, was er meint, wenn er sagt: Christen sind keine Einzelkämpfer: Die Pilger sind gemeinsam unterwegs. Einige Ordensfrauen sitzen in ihren schwarzen Kleidern aneinander gelehnt und lauschen der Predigt. In vielen Gesichtern ist Zustimmung zu erkennen. Die Pilger kennen sich untereinander und bewältigen den Marsch gemeinsam. Nach der Rast und der Predigt geht es gestärkt weiter nach Ostbevern. Jetzt gönne ich mir mal eine sanfte Strecke und fahre mit der Kutsche, sagt Dechant Wieh, ich laufe schon die ganze Zeit und bin ja sonst völlig platt, wenn ich in Telgte ankomme. Dechant Wieh feiert zusammen mit Weihbischof Theodor Kettmann und den rund 8000 Pilgern in Telgte die Abendandacht mit und will deshalb fit bleiben. Richard Vonstein steht nun an der Spitze der Wallfahrer und wartet auf das Startsignal. Die Pilger tragen ihre Wallfahrtsbücher in den Händen, stimmen Gelobt sei Jesus Christus an und folgen Richard Vonstein mit flottem Schritt. Das Kreuz wird vorangetragen, die Fahnen wehen im Wind. Die Wallfahrer nehmen die gesamte Straßenbreite ein. So eine Wallfahrt ist wie ein Fluss, sagt Dechant Wieh, die Pilger fluten wie Wasser über das Land. In der Nacht gehen wir in St. Johann los. Auf unserem Weg kommen Ströme von Pilgern hinzu, wie Nebenflüsse von einem Fluss. Ein ganz starker Strom kommt aus Hagen und Bad Iburg. In diesem Jahr sind erneut recht viele jüngere Gläubige zu beobachten, auch über 250 Kommunionkinder sind dabei. Die machen das aus Begeisterung, sagt Richard Vonstein. Hat man während der Wallfahrt einen Draht zu Gott? Also vielleicht bin ich zu trocken und zu norddeutsch, Draht zu Gott würde ich das nicht nennen, antwortet Hermann Wieh. Aber er spüre die Nähe Gottes und fühle sich getragen von der Gemeinschaft der Gläubigen, sagt der Dechant. Ein Empfinden, das tausende Gläubige mit ihm teilen. Nina Trentmann
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