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Die Wallfahrt im Spiegel der Presse

Kirchenbote (18.7.2004)

Lateinische Lieder „total cool“

Telgter Wallfahrt mit vielen Jugendlichen. Einige haben auf den Emswiesen übernachtet.

Osnabrück/Telgte – Regen prasselt auf die Dächer der mehr als 20 Wallfahrtswagen auf den Telgter Emswiesen. Nur wenige Pilger – geschützt durch Regenkleidung und Schirme – stehen noch im Freien. Die meisten hat der kurze, aber heftige Schauer in ihre Begleitfahrzeuge getrieben. Drinnen riecht es nach Franzbranntwein, heißem Kaffee und Schweiß. Rund 43 ansonsten sonnige Kilometer haben die Wallfahrer auf dem Weg von Osnabrück nach Telgte zurückgelegt. Jetzt ist Zeit für eine Pause.

Erholung vom Fußmarsch lieber im eigenen Bett

Daniel Heidegger, 20 Jahre alt, ist das vierte Mal dabei. Sein Vater steuert den Wallfahrtswagen aus Glane. „Meine Eltern gehen schon ewig mit“, berichtet er. Wieviel Jahre – das kann er nicht genau sagen. „Die Wallfahrt ist für mich immer ein Highlight“, verrät der junge Mann, der ein Freiwilliges Soziales Jahr im Dekanatsjugendbüro Iburg leistet. Für ihn bedeutet sie auch ein Wiedersehen mit alten Freunden: „Man trifft überall bekannte Gesichter, auch solche, die man nicht mehr regelmäßig sehen kann.“ Übernachten will Heidegger allerdings nicht in Telgte. „Mein eigenes Bett brauche ich einfach zur Erholung“, sagt er. „Aber morgen früh, da gehe ich wieder mit!“
Draußen beruhigt sich das Wetter. Die dunklen Regenwolken sind weitergezogen, blauer Himmel kommt zum Vorschein. Tische und Bänke werden ausgeklappt, Kaffee und Kuchen aus dem engen Wallfahrtswagen nach draußen in die Sonne verlagert.
„Hier weht schon ein etwas anderer Wind als zu Hause“, meint Andreas Mölder aus Göttingen nachdenklich. Für den 25-jährige Studenten der Forstwissenschaften ist es eine Premiere in Telgte – seine erste Wallfahrt überhaupt. „Es hat sich ergeben, dass ich es endlich einmal geschafft habe, mitzugehen“, berichtet der gebürtige Hilteraner. „Es ist schön, diese Tradition kennen gelernt zu haben.“ Der lange Weg hat ihn dabei nicht gestört. „Beim gemeinsamen Singen hat man die Kilometer fast gar nicht bemerkt“, sagt er. „,Johannes auserkoren‘, nach alter Melodie – wo wird denn das heute noch gesungen?“
Für Mölder ist die Telgter Wallfahrt ein Zeichen, dass eine gute Tradition auch in der modernen Kirche einen festen Platz haben kann. Im nächsten Jahr will er wieder mitgehen. „Vielleicht sogar in einer Hilteraner Wallfahrtsgruppe.“ Er sagt dies mit einem Augenzwinkern, denn eine solche Gruppe müsste erst noch gegründet werden.
Langsam leeren sich die Emswiesen. Viele Pilger treten den Heimweg an, nur vereinzelt werden Zelte aufgebaut, um auch die Nacht in Telgte zu verbringen. Drei junge Erwachsene gehen vorbei, die Wallfahrtsfahnen ihrer Gemeinde in den Händen. „Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt“ steht auf ihren grellgelben T-Shirts – auch der Humor kommt in Telgte nicht zu kurz.

Auf die Blasen an den Füßen gern verzichtet

Florian Tebbe (16) gehört nicht zu den Abreisenden. Er zeltet mit einer Gruppe Kinder und Jugendlicher aus Bramsche auf den Emswiesen. „Wir sind heute Morgen mit dem Auto bis Glandorf gefahren und von dort mitgelaufen“, berichtet er. Besonders das lateinische „Tantum ergo“ im Abschlussgottesdienst hat ihn fasziniert. „Lateinische Lieder“, da sind sich alle einig, „sind total cool.“
Einzig auf die Blasen an den Füßen hätten die Bramscher Jugendlichen gern verzichtet. „Für den weiteren Tag steht ein gemütliches Grillen mit unserem Pastor Anton Behrens auf dem Programm“, erzählt Andreas Siegner (37) von der CJC (Communität Jesus Caritas), dem Veranstalter der Aktion. Siegner hat schon vor zwei Jahren an der Osnabrücker Jubiläumswallfahrt teilgenommen und sich dafür eingesetzt, dieses Jahr eine Übernachtung für Jugendliche anzubieten. „Wenn ich wieder nach Hause fahren würde, käme ich aus meinem bequemen Bett gar nicht mehr hoch“, gibt er zu. „So müssen wir eben zwangsläufig zurück.“
Mittlerweile haben die Bramscher Nachbarn bekommen: Neben den kleinen Iglu-Zelten der Jugendlichen wirkt das gerade aufgerichtete Zeltlagerzelt des Remseder Wallfahrtsvereins fast schon wie ein Wohnhaus. Die Glocken läuten zur Abendandacht. Florian und seine Freunde werden diesem Ruf aber nicht folgen. Sie wollen erst einmal ein schönes Eis essen gehen.

Jens Wiesner

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