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Die Wallfahrt im Spiegel der Presse

Westfälische Nachrichten (8.7.2006)

Zwischen Sportsgeist und tiefer Überzeugung
Mittlerweile ist fast jeder zweite Pilger unter 40 /
9000 wandern von Osnabrück nach Telgte

Von A. Große Hüttmann

Telgte/Osnabrück. Herbert Pötter und Christoph Dahlmann kennen sich nicht, und dennoch hatten sie am Samstag viel gemeinsam, unter anderem das gleiche Ziel - die Muttergottes in Telgte. „Zusammen mit 9000 Pilgern wallfahrteten sie zu Fuß von Osnabrück in die Emsstadt.

Die beiden Pilger sind dabei fast beispielhaft für die Gläubigen, die sich auf die rund 45 Kilometer lange Fußwallfahrt machten. „Rund die Hälfte unserer Teilnehmer ist unter 40 Jahre alt. Wir bewegen und erreichen die Jugend und die jungen Erwachsenen“ sagt der technische Leiter der Fußwallfahrt, Karlheinz Schomaker, und blickt zufrieden auf die jungen Pilger, die begeistert mitsingen und beten.

Christoph Dahlmann ist ein gutes Beispiel für die jüngere Generation. Der Zwölfjährige, dessen Vater seit vielen Jahren mitpilgert, ist bereits zumn zweiten Mal dabei. Sein Antrieb ist vor allem ein sportlicher. „Das schaffe ich“, war er sich zu Beginn sicher und entsprechend stolz, als er in Telgte einzog. Und ganz nebenbei hat er kräftig mitgesungen und gebetet.

Herbert Pötter ist ein Vertreter der älteren Wallfahrergeneration. „Die nehmen aus Überzeugung und Tradition teil“, sagt Schomaker. Beruflich hat es Pötter vor vielen Jahren von Telgte an den Bodensee verschlagen. 760 Kilometer Anreise hatte er hinter sich, als er seine Wanderschuhe schnürte. „Selbst meine Frau erklärt mich für verrückt“, erzählt er. Das Pilgern gehört für ihn zum Leben dazu, und in seiner Heimatstadt Ravensburg rührt er seit Jahren die Werbetrommel für die Osnabrücker Wallfahrt. Acht Schwaben nahmen am Samstag teil, „und irgendwann möchte ich mit einem ganzen Bus voller Pilger anreisen“, wünscht sich der Optiker, viele von der „Faszination Fußwallfahrt“ zu überzeugen. Dass das Thema Wallfahrt sowohl im Bistum Osnabrück als auch im Bistum Münster voll im Trend liegt, das beweisen die Teilnehmerzahlen, die seit Jahren ansteigen. 9000 Pilger waren es in diesem Jahr und damit nach Angaben der Veranstalter mehr als bei der Wahllfahrt von Regensburg nach Altötting, die bislang als die größte Fußwallfahrt im deutschsprachigen Raum galt.

Christioph Dahlmann und Herbert Pötter ist das ziemlich egal. Sie sind angesichts des stellenweise sehr drückenden Wetters froh, als sie den Kirchplataz in Telgte erreichen. Doch schon jetzt steht bei beiden der Entschluss fest: „Im nächsten Jahr sind wir wieder mit von der Partie.“

Wallfahrer holen „Titel“
9 000 Pilger nahmen an der Osnabrücker teil / Junge Generation bestimmte das Bild
Von Tobias Chmura
Telgte. Die Osnabrücker ist schon immer die größte Wallfahrt nach Telgte gewesen. Seit Samstag ist sie auch die größte Fußwallfahrt im gesamten deutschsprachigen Raum. Wie der technische Leiter, Karlheinz Schomaker, nach der Ankunft in Telgte erklärte ... Wir haben 9000 Pilger gezählt“, berichtete er sichtlich stolz. Damit sei die bisher größte Fußwallfahrt von Regensburg nach Altötting zahlenmäßig übertrumpft. „ Nach Altötting laufen die meiste Zeit nur etwa 4000 Gläubige, erst kurz vor dem Ziel wächst der Pilgerstrom auf 8000 Teilnehmer an“, so Schomaker. Groß war übrigens auch das Interesse in Telgte. Mehr als 150 Pilger aus der Emsstadt fuhren in der Nacht von Freitag auf Samstag nach Osnabrück, um unter der Leitung von Dr. Egon Mielenbrink an der Wallfahrt teilzunehmen.

Wie immer auf die Minute genau traf der lange Zug der Teilnehmer an der 154. Osnabrüder Wallfahrt nach dem rund 45 Kilometer langen Fußmarsch um 15.45 Uhr auf dem Kirchplatz ein. Mit dabei war auch der Osnabrücker Diözesanbischof Franz-Josef Bode. „Ich freue mich, in so viele Gesichter unterschiedlicher Generationen schauen zu dürfen“, begrüßte Bode die Versammelten auf dem Vorplatz der Clemens-Kirche.

Die ganz jungen Teilnehmer wurden von Propst Heinz Erdbürger besonders begrüßt. „Es ist schön. dass sich so viele Kommunionkinder dem Zug angeschlossen haben.“ Insgesamt 300 von ihnen liefen einen Teil des Weges nach Telgte mit und hatten eigens ein Lied einstudiert, das sie bei der Abschlussandacht auf dem Kirchplatz vortrugen.
„Bis Bad Iburg war es drückend, vor allem bei der Bergetappe am Harderberg fühlten wir uns wie Radfahrer der Tour de France“, berichtete Karlheinz Schomaker von den Strapazen des Weges. Glück hatten die Pilger in Glandorf, wo eine längere Frühstückspause eingelegt wurde. Während der gesamten Pause regnete es, doch als sich der Wallfahrtszug um 9.30 Uhr wieder in Bewegung setzte, hörte es auf, und bis Telgte kam kein Tropfen mehr vom Himmel.

Bei einer kurzen Andacht in Oedingberge hielt der Telgter Vikar Dr. Ralf Schupp die Predigt. Er ging auf das Motto der diesjährigen Wallfahrtszeit „Kommt und seht“ ein.
„Die Hälfte aller Pilger ist unter 40 Jahre alt. Und das, wo die Sonntagsmessen von immer weniger Jugendlichen besucht werden“, machte Schomaker einen „starken Trend“ aus, der seiner Meinung nach auch durch die Erlebmsse der Jugend beim Weltjugendtag in Köln im vergangenen Jahr einen Schub bekommen habe. „Aufgefallen ist mir, dass gerade die jungen Pilger nicht nur wegen der sportlichen Herausforderung den Weg auf sich nehmen, sondern während der gesamten Strecke ganz aktiv mitgebetet haben. Das stimmt mich sehr positiv.“
Dass die Pilgerzahl mit 9000 über dem langjährigen Schnitt lag, machte der organisatorische Leiter der Wallfahrt auch daran fest, dass in Niedersachsen erst in 14 Tagen die Ferien beginnen und viele Pilger aus NordrheinWestfalen erst nach der Weltmeisterschaft in den Urlaub fahren würden und so an der Wallfahrt teilnehmen konnten.
Gefreut haben sich die Pilger über die von der Wallfahrtsgilde prächtig geschmückte Innenstadt. Und noch etwas war dem technischen Leiter aufgefallen: „Bis zum Kirchplatz waren die Innenstadtstraßen sehr gut freigehalten worden. Das hat den Einzug wesentlich erleichtert und dafür gesorgt, dass alle Pilger zu Beginn der Andacht auf dem Kirchplatz waren.“

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